back to poems overview

Mond im Nebel

Mein Blick wandert aus dem Fenster und verliert sich im Lichtermeer der Stadt unter mir. Es ist spät, die Nacht ruht schwarz auf den Dächern, sinkt schwer zwischen die Gassen und wiegt weit entfernt in schwindelnder Höhe die hell leuchtende, beinahe volle Mondscheibe. Eine friedliche Stille umgibt mich. 

In meiner inneren Welt, welche mich in dieser Stunde geborgen einhüllt, fühle ich Deine Gegenwart. Dich in meinen Gedanken wandern zu lassen, erfüllt mich mit einer lustvollen Harmonie. Es erscheint mir als ob sich ein grosses Tor öffnet und sich eine Sintflut von Glückshormonen in meine Blutbahnen ergiesst. Mein Körper spielt bei dieser Überschwemmung verrückt; er vibriert und zittert, fröstelt und hat Hitzeschübe, schwappt über und taucht unter, jede Zelle springt und jauchzt vor Entzücken...! Bei diesem Chaos ist es mir wahrlich fast unmöglich, einigermassen einen klaren Verstand  aufrecht zu erhalten. Doch, ich geniesse diese Gefühle der lebendigen Schönheit und sinnlichen Erotik. Sie vermitteln mir die Empfindung für die schönsten Seiten des Lebens empfänglich und ganz Frau zu sein. 

In meinem tiefsten Innern teilst Du einen Teil meines Lebens und kannst mich ein Stück auf meinem Lebensweg weit begleiten. Ich rieche und schmecke Dich, ich berühre und streichle Dich, ich spüre und entdecke Dich. Ich sehe Deine tiefen Fussspuren in meinem Herzen und diese schmelzen nicht zum Frühlingsbeginn ...! 

Was für den Vogel die Kraft der Schwingen,

das ist für den Menschen die Freundschaft:

sie erhebt ihn über den Staub der Erde (von Zenta Maurina)

    back to poems overview